Das Trauma von Arnsdorf

Veröffentlicht am 15.10.2019 in Kommunales
 

In den klassischen Medien sowie den Sozialen Netzwerken mehren sich die Diskussion um Gewalttaten, Schuld und Opfer. Ich finde es beschämend, dass in letzter Zeit leider häufig als erstes über die Nationalität von Tätern und Opfern diskutiert wird. Als ob es nach Taten wie in Halle nichts Wichtigeres gäbe. Egal ob Täter und Opfer die Gleiche Nationalität oder unterschiedliche haben Gewalt bleibt Gewalt und darf nicht toleriert werden. Die Basis für physische Gewalt bildet dabei oft zuvor erlebter psychischer Gewalt. Das beginnt bereits in der Schule mit Leistungsdruck und eine Schul- und Bewertungssystem, dass der gesunden Entwicklung von Kinder nicht grade zuträglich ist. Weiter geht es dann im Job-Center mit psychischen Druck wie Verfügbarkeit rund um die Uhr, sich abmelden müssen wenn man in den Urlaub fährt und und und …. da kann sicher fast jeder, der einmal in der misslichen Lage der Jobsuche war, ein Lied davon singen. Diese erlebten Ungerechtigkeiten und das Gefühl das Andere es vermeintlich leichter im Leben haben aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu, mündet dann zunächst oft in verbaler Gewalt. Dabei bieten die Sozialen Netzwerke natürlich ein gute Plattform um schnell viele Menschen zu erreichen. Komplexe politische Sachverhalte werden in wenigen Worten oder in Karikaturen zusammengefasst um einen möglichst großen Empörungsfaktor zu schaffen. Das erste Opfer ist da schon meist die Wahrheit die irgendwo auf der Strecke bleibt. Nahe zu jede Nachricht wird dabei für die eigenen Zwecke umgedeutet. Lob erhält man dann zu meist von seiner selbstgeschaffenen Sozialenblase, die aus einer möglichst großen Liste an Gleichgesinnten aus der ganzen Welt besteht und sich dann auch noch „Freunde“ nennt. Je provokanter die Aussage desto mehr „gefällt mir“ Angaben. Fehlende Anerkennung durch Gesellschaft, Staat und realen sozialen Kontakten werden mit digitalen Ovationen kompensiert. Ein weiter logischer Schritt ist dann auch im realen Leben Taten folgen zu lassen. Das beginnt scheinbar harmlos mit Missachtung der Gesprächskultur in den Beispielsweise Teilnehmer an Podiumsdiskussionen mit ständigen Zwischenrufen aus dem Konzept gebracht werden sollen oder einer im vorbei laufen schnell hingeworfenen Beleidigung. Hier kann ich nur anmerken das es sich beispielsweise weder gehört ein Mitglied der AFD pauschal als „Nazischwein“ zu bezeichnen noch Mitglieder der Grünen, SPD oder Linken als „links-grün versiffte Spinner“. Wir brauchen wieder mehr Respekt vor der Würde des Einzelnen. Nach siebzig Jahren sollte jeder die Inhalte des Grundgesetzes nun langsam kennen, denn meist bleibt es nicht bei Worten. Das entsetzliche Taten mit Schusswaffen, Messern oder Sprengsätzen zu verurteilen und nach geltendem Recht zu ahnden sind steht außer Diskussion. Genauso verwerflich ist es aber auch einen psychisch Kranken an einen Lichtmast zu fesseln. Und nicht weniger widerwärtig ist es solche Taten im Internet zu rechtfertigen und für gut zu heißen. Psychische Krankheit gibt es viele, wie etwa Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen, was nicht geht ist Menschen die an einer solchen Erkrankung leiden isolieren zu wollen. Nach dem Vorfall in Arnsdorf gab es Kommentare wie „Warum darf ein psychisch Kranker überhaupt frei herumlaufen?“ – ja das darf er weil erstens ein weitere Isolation für den Heilungsprozess nicht gerade zuträglich ist und weil die Zeiten in denen Menschen die nicht körperlich, geistig und sozial Gesund sind isoliert und zum Teil ermordet wurden zum Glück vorbei sind und sich nie wieder wiederholen dürfen. Was nach solchen Vorfällen zu tun ist hat die Bürgermeistern von Arnsdorf Martina Angermann gezeigt – Zivilcourage. Wenn in diesem Land Unrecht geschieht darf nicht weg geschaut werden. Und so schauen auch wir nicht weg wenn eine gestandene Kommunalpolitikerin mit Beschimpfungen, Verunglimpfungen und Bedrohungen eingeschüchtert und systematisch Krank und damit Mundtot gemacht wird. Egal ob im Internet oder am Stammtisch Hass, Beleidigungen und Ungerechtigkeiten dürfen nicht unkommentiert bleiben. Die breite Mitte der Gesellschaft verurteilt linke und rechte Beleidigungen und Gewalt aber schweigt dazu. Das muss sich ändern! Wir sind mehr!

 

Konrad Skatula

 

https://www.saechsische.de/plus/trauma-nach-dem-fall-arnsdorf-5127556.html

 

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